Leistungsbeurteilung

unser Tun wird beachtet

 

 

 

Von der Leistungsverweigerung zum Leistungsverhalten

Die Frage nach einer angemessenen Beurteilung bzw. Bewertung von Schülerleistungen stellt uns an der Schule Am Torfbend immer wieder neu vor das Problem, einerseits individuelles Leistungsverhalten erst aufzubauen bzw. zu festigen und andererseits Schülerleistungen hinsichtlich Versetzung und Abschlüsse normgerecht zu bewerten.

Bei dem größten Teil unserer Schüler müssen wir erleben, dass sie aufgrund eines negativen Schulbildes und großer Versagensängste in der Regel zunächst nicht bereit sind, sich auf ein zu bewertendes Leistungsverhalten einzulassen, oder nur eine optimale Bewertung für sich gelten lassen können.

Schüler/innen, die zu uns kommen, haben oft die Erfahrung gemacht, dass sie den meisten Leistungsanforderungen nicht entsprechen konnten und/oder vorhandene individuelle Ansätze zu einem Leistungsverhalten von ihrer schulischen und familiären Umgebung selten bemerkt und anerkannt wurden.

Es ist daher zunächst unsere Aufgabe, bei den Schülern ein adäquates Leistungsverhalten auf der Grundlage eines realistischen Selbstkonzeptes aufzubauen.

Unsere Schüler sollen die Erfahrung machen, dass sie selbst die Urheber von Leistungen sein können, dass sie leistungsfähig sind und dass ihre Handlungen, Produkte und Ergebnisse wahrgenommen und beachtet werden.

Bevor wir zu einer Leistungsbewertung kommen, wenden wir uns unseren Schülern/innen erst einmal zu und nehmen Anteil an dem, was sie tun.

Vor jeder Leistungsbewertung steht die Leistungsbeobachtung und Leistungsfeststellung. Es ist für unsere Schüler/innen –wie vermutlich für jeden Menschen- von großer Bedeutung, die Sicherheit zu haben, dass ihre Leistung auch beachtet wird.

Im zweiten Schritt können wir Leistungen bewerten und beurteilen. Entscheidend ist dabei der angelegte Maßstab. Eine gruppenorientierte Beurteilung lehnen wir für unser Schüler/innen ab.

Bei der Bewertung von Schülerleistungen legen wir folgende Grundprinzipien entsprechend den Leitgedanken unseres Schulprogramms zugrunde:

 

*   Fördern statt Auslese
*  
Orientierung am individuellen Lern- und Entwicklungsprozess
*  
Orientierung an einem Zielkriterium statt an einer Gruppe
*  
Berücksichtigung auch der sozialen Dimensionen des Lernens und Leistens
*  
Berücksichtigung des Bedürfnis der Schüler nach Anerkennung und Identität (Schülern Verantwortung und Bewährungsmöglichkeiten geben)
*  
Orientierung am Grundsatz der Ermutigung

Leistung feststellen und beurteilen

Leistungsbewertung bzw. Leistungsbeobachtung verstehen wir als eine prozessbegleitende Förderdiagnostik.

Die schulischen Anforderungen ergeben sich aus der individuellen Förderplanung, d.h. aus dem jeweiligen Entwicklungs- und Leistungsstand einer Schülerin und eines Schülers, und orientieren sich an einem abgesprochenen und transparenten Zielkriterium.

Grundsätzlich versuchen wir mit jedem Schüler, jeder Schülerin seine/ihre Leistung auf dem Hintergrund des individuellen Fortschrittes und einer spezifischen Zielsetzung zu reflektieren.

 Die Kriterien für Leistungsbewertungen werden den Schülern und Schülerinnen transparent gemacht. So erhält z.B. ein Schüler der fünften Klasse jeden Tag eine konkrete Rückmeldung über seine an diesem Tage erbrachte Leistung, indem die Lehrerin in seinem Beisein und im Gespräch mit ihm für jedes Fach ein Kürzel einträgt (+ für eine sehr gute bis gute Leistung, l für eine befriedigende bis ausreichende Leistung, - für eine mangelhafte bis ungenügende oder eine nicht erbrachte Leistung). Ein Primarstufenschüler erhält ebenfalls täglich eine verbale und schriftlich fixierte Rückmeldung über seine schulische Mitarbeit (einen lachenden, zufriedenen oder traurigen Smily). Im Gespräch werden mit den Schülern auch neue Lernziele vereinbart, die sich neben schulischen Inhalten auch auf das Lernverhalten beziehen können.

 Dabei sind wir bestrebt, die beiden Intensionen,

Die Bewertung einer Schülerleistung bewegt sich in der Regel im Spannungsfeld des individuell erzielten Lernfortschrittes und einer kriteriumsorientierte Beurteilung, die sich an den fundamentalen Anforderungen des Grund- oder Hauptschulcurriculums ausrichtet.

 In einer Primarstufenklasse entspricht z.B. Kevin bereits den Leistungsanforderungen, wenn er wenige Rechenaufgaben ohne die Zuwendung einer Lehrperson auf seinem Arbeitsblatt löst, während Gert in der gleichen Zeit ein Vielfaches an Aufgaben konzentriert und selbstständig bearbeitet. Beide erreichen entsprechend ihres individuellen Lern- und Leistungsvermögens das an sie gestellte Ziel. So ist es auch möglich, dass ein und derselbe Schüler z.B. im Fach Deutsch nach dem Lehrplan für die fünfte Klasse unterrichtet wird und im Fach Mathematik nach dem der vierten Klasse. Die Leistungsbeurteilung bezieht sich in einem solchen Fall auf die Anforderungen des jeweiligen Lehrplans.

Von besonderer Bedeutung wird dieses Spannungsfeld immer zu den Zeiten, wo mit der Leistungsbewertung auch eine Zuordnung - meist in der Form eines Zeugnisses - verbunden ist.

Tym hat z.B. im zweiten Schulhalbjahr der dritten Klasse im Fach Deutsch motiviert und erfolgreich gearbeitet, genügt aber nicht den fundamentalen Lernzielen der Klasse 3 der Grundschule. In einem solchen Fall versetzen wir Tym in die vierte Klasse mit dem Vermerk, dass er im Fach Deutsch auch im kommenden Schuljahr weiterhin im Lehrplan der Klasse drei unterrichtet werden wird.

Die Beurteilung von Leistungen in Form von Noten ist vor diesem Hintergrund nicht einfach.

Das nachfolgende Schaubild soll das oben beschriebene Spannungsfeld, welches besonders an der Schule für Erziehungshilfe herrscht, verdeutlichen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Rückmeldung über erbrachte Leistungen nach bestimmten Epochen, z.B. Halbjahren, wird an unserer Schule nicht nur durch Ziffern auf dem Zeugnis ausgedrückt, sondern auch kommentiert. Dies kann durch ein Textzeugnis, durch einen Anhang zum Zeugnis oder/und durch die Zeugnisausgabe im Rahmen eines Eltern-Schüler-Sprechtages geschehen.

 Die Durchführung von solchen Sprechtagen hat sich an unserer Schule sehr bewährt. Es können hier unmittelbar Rückmeldungen gegeben werden, die Leistungsbewertungen werden transparenter und es kann vor allem auch der Blick nach vorne gerichtet werden, neue Ziele können aufgestellt und Vereinbarungen getroffen werden.

In der Regel finden die Eltern-Schüler-Sprechtage nicht nur zu den Zeugnisterminen statt, sondern in Abständen von etwa drei Monaten.

Zeugnisse an der Schule Am Torfbend

Die für unsere Schüler und Schülerinnen gültigen Zielkriterien orientieren sich grundsätzlich an den Richtlinien für die Grund- und Hauptschule, nicht zuletzt weil die Rückschulung an eine Regelschule jederzeit möglich bleiben soll und im Auge behalten wird.

Für die Schüler und Schülerinnen der ersten und zweiten Klasse schreiben wir am Ende des Schuljahres Textzeugnisse.

Die Schüler ab der dritten Klasse bekommen ein Notenzeugnis am Ende jeden Schulhalbjahres. Diese Notenzeugnisse werden in der Regel durch einen Text ergänzt, in dem die besondere

Lernausgangslage beschrieben wird (Benennen der Umstände, Verantwortung des Kindes).
Das Zeugnis in der Sekundarstufe I wird wie an der Hauptschule als Notenzeugnis ausgestellt.
Ergänzt werden diese Notenzeugnisse durch zusätzliche Kommentarzeugnisse und die beschriebenen Sprechtage, an denen die Noten erläutert, Förderungsmöglichkeiten aufgezeigt und Lernziele neu vereinbart werden.
Der Besuch der Schule für Erziehungshilfe kann grundsätzlich mit dem Hauptschulabschluss beendet werden.

Die Problematik der Notenzeugnisse – Scheinobjektivität, geringe Aussagekraft, "Lohnersatzfunktion", Verhinderung intrinsischer Motivation, Förderung von Abhängigkeit usw.- ist uns sehr wohl bewusst.

Eine radikale Änderung der Leistungsbewertung hin zu einer aussagekräftigen, kriteriumsorientierten und individuellen Leistungsbeschreibung und Profildarstellung ist uns bislang aus folgenden Gründen noch nicht gelungen:

*   Die Akzeptanz durch Schüler/innen und Eltern ist nicht vorhanden.
*  
Die Unterscheidung zu den Formen der Leistungsbeurteilungen in den weiterführenden Schulen wäre groß und würde die Sonderrolle unserer Schüler/innen weiter festigen.
*  
Das nötige Instrumentarium der Leistungsbeobachtung und die Erstellung von individuell anpassbaren, kriteriumsorientierten Curricula ist aufwendig und noch nicht erfolgt.

Eine Arbeit in Verbund mit den Sonderschulen, den Grundschulen und den weiterführenden Schulen vor Ort oder auch überregional wäre nötig, wenn dieses Ziel erreicht werden sollte. Wir würden uns gerne beteiligen.

 

Zielsetzung:

Wir wollen in einzelnen Fachbereichen Mindestanforderungen formulieren, die für die Ereichung eines Stufen- und eines Schulabschlusses vorausgesetzt werden.

Wir wollen uns von den Jahrgangsversetzungen zu stufenbezogenen modularen Zertifizierungen verändern.